Die Feinde des Kaisers...
Zhang Yimou hat trotz einer Vielzahl von sehr guten Filmen gedreht. Sein
Meisterwerk ist sicherlich der 1991 gedrehte "Rote Laterne". Aber auch
sein 2002 realisierter Wuxia Streifen "Hero" ist ein exzellenter Beitrag
dieses Genres. Thematisch verwandt mit dem Chen Kaige Film"Der Kaiser
und sein Attentäter", obwohl Kaige mit viel grösserer Opulenz ein
ausuferndes Epos schuf. Episch bleibts auch bei Yimou, doch er ist
schwerpunktmässig der Kampfkunst und den überwältigenden
Bildkompositionen (Kamera: Christopher Doyle) verpflichtet, dies macht
sein Werk actionreicher und leichter und weckt natürlich sofort
Erinnerungen an Ang Lees kurz zuvor entstandenen Oscartriumph "Tiger and
Dragon".
Die Handlung basiert auf Überlieferungen über den legendären König Qin,
der nach vielen Kämpfen, vielen Kriegen und Opfern die zerstrittenen
Teilstaaten zur Einheit China führte.
Dieser König (Chen Daoming) hatte viele Feinde und regelmässig versuchten Attentäter seinem Leben ein Ende zu machen.
Die drei gefährlichsten Gegner sind Fliegender Schnee (Maggie
Cheung), Zerbrochenes Schwert (Tony Leung Chiu Wai) und Weiter Himmel
(Donny Yen). Nun hat es ein wenig bekannter Schwertkämpfer (Jet Li), den
alle den Namenlosen nennen, alle drei im Kampf zu besiegen.
Die Feinde elimiert....alles zum Wohl des Herrschers. Der König bittet
den Helden zu sich und der darf sich zur Belohnung dem König bis auf
zuerst 100, dann 20, dann 10 Schritte nähern....immer näher kommt er dem
König, während er die Geschichte seiner Heldentat erzählt.
Die Geschichte, und dies gehört zum Reiz des Films, erfährt immer wieder
eine Abwandlung, Ergänzung oder Korrektur der ursprünglich erzählten
Fassung. So entsteht unweigerlich eine Erinnerung zum grossen Kurosawa
Film "Rashomon", der ein und dieselbe Geschichte wählt, jedoch
hintereinander von verschiedenen Menschen immer wieder ganz anders
erzählen lässt... Wahrheit, Lüge, verschiedene Wahrnehmung, aus einer
ganz anderen Perspektive. Bei "Hero" kommen keine verschiedenen Erzähler
wie bei "Rashomon" zu Wort - es ist jedesmal unser Held selbst, der die
Geschichte aus gewissen Gründen abzuwandeln hat. Die Geschichte ist
eingebettet in herrliche, ästethische, kraftvolle, atmosphäre und
wuchtige Bilder, die beinahe wie Kompositionen wirken. Eine bestimmte
wechselnde Farbgestaltung begleitet jede Szenerie, dieses Stilmittel
wirkt aber nie bemüht oder aufgesetzt prätetiös - die Choreographie
passt perfekt - es ist die Choreographie des Kampfes.
Sämtliche Charaktere der Schwertkämpfer sind imposant gezeichnet, sie
strahlen Erhabenheit aus. So wie der ganze Film. Jedes Bild ist famos,
denn die Geschichte hat eine gewisse Sogwirkung, deren man sich kaum
entziehen kann.
Ich erlebe intensiv eine fremde Welt in einer fremden Zeit. Sei es nun
die Sequenz in der Schule der Kalligraphie, wo draussen eine Riesenarmee
in Übermacht Position bezieht, die Schule mit Tausenden von Pfeilen
übersät und zerstören will und der alte Meister, den Schülern eine
besondere Lektion beibringt - ich hab sie deshalb erwähnt, weil es die
Szene war, bei der ich langsam bemerkte, was für einen grossen Film
ich da zum ersten Mal schaute. Zhang Ziyi, die bereits in "Tiger and
Dragon" eine wichtige Rolle spielte, ist hier als Schwertkämpferin
Leuchtender Mond zu sehen.
Bewertung: 9,5 von 10 Punkte






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